Für Campino & Co. steht fest: „Es kann so viel passieren, es kann so viel geschehen, nur eins weiß ich hundertprozentig: Nie im Leben würde ich zu Bayern gehen.“ Sondern natürlich — so viel „Lokalpatridiotismus“, wie Karl Selent treffend befand, muss sein — bodenständig bleiben, im heimeligen Düsseldorfer Kiez nämlich, und bei der regional beliebten Gerstenplörre und fettiger Bratwurst mit den anderen Fußballvolksgenossen darüber lamentieren, dass es in dieser Sportart — zuvörderst bei den Bayern — ja nur noch ums Geld gehe, die Scheiß-Millionäre eh’ alle viel zu viel Geld verdienten und nicht mehr ehrlich malochten wie noch zu Fritz Walters Zeiten. Deshalb wissen die „Hosen“ genau, was sie denn täten, wenn sie „20 wären“ und „supertalentiert“: Gegen Angebote von Real Madrid und Manchester United hätten sie nichts einzuwenden, auch „für Deutschland“ würden sie natürlich spielen. Doch wenn Bayern-Manager Uli Hoeneß „auf der Matte stehen“ würde, wäre aber so was von Feierabend: „Ich würde meine Tür nicht öffnen, weil’s für mich nicht in Frage kommt, sich bei so Leuten wie den Bayern seinen Charakter zu versauen.“

Denn dort pflegt man keine Proletenromantik, kein Blut-Schweiß-und-Tränen-Ideal und keine volksgemeinschaftliche, biergeschwängerte Vereinsheimidylle, wie es viele deutsche Fußballfreunde tun, die „ehrliche“ Spieler und einen „sauberen“ Sport sehen wollen, frei von Kommerzialisierung und anderem kapitalistischen Unbill. Man träumt — ganz romantizistisch und reaktionär, also deutsch — von den guten alten Zeiten, in denen die Kicker noch für lau unterwegs waren, in Nibelungentreue zu ihrem Verein standen und in der Region des Klubs Wurzeln geschlagen hatten.

(Alex Feuerherdt, “Lackstiefelclub” - über deutsche und linksdeutsche Ressentiments gegen den FC Bayern München)

Anmerkungen

  1. von exsuperabilis gepostet